Montag, der 18.4.: Von Verona nach Viareggio

Tag 4:

 

Die letzten zwei Tage konnte ich mein Navi-Problem erfolgreich verdrängen, doch nun ist es wieder da. Von dem freundlichen Portier des Hotel Milanos lasse ich mir den Weg zu einer Autowerkstatt erklären. Leider befinde ich mich auf meinem Weg aus Verona hinaus wieder einmal auf der falschen Fahrbahnspur. Ich bin ganz links, muss aber nach ganz rechts, neben mir noch drei weitere Autos und ich fahre mal wieder an der Ausfahrt vorbei und befinde mich nicht auf dem Weg zur Autowerkstatt, sondern auf der Autobahn. Na ja, wenigstens auf der, die nach Viareggio führt, dem nächsten Halt meiner Reise. Resigniert setze ich ohne ein funktionierendes Navi meinen Weg fort, doch kurz vor Viareggio verliert mich meine Zuversicht und ich frage an einer Raststätte mal wieder nach einer Autowerkstatt. An dieser Stelle möchte ich mit einem Vorurteil aufräumen, das man gemeinhin gegen Italiener hegt: Sie können kein Englisch. Ich kann diese Behauptung überhaupt nicht bestätigen. Die Italiener können sehr wohl Englisch, ich aber anscheinend nicht, jedenfalls nicht so, dass man es in Italien versteht. Irgendwann durchschaut der freundliche Angestellte aber meine pantomimischen Versuche, einen Automechaniker darzustellen und zeichnet mir „a little map“ auf, die mich zur nächsten Werkstatt führen soll. Mit Hilfe meines tollen Plans finde ich schließlich absolut überraschend die Autowerkstatt und mit ganz wenigen Handgriffen ist sowohl mein Navi—als auch mein Verdeck-Problem gelöst. Und das ganze kostet mich nur fünf Euro. Ich gebe dem Mechaniker zehn und biete meine ganze Willenskraft auf, um ihm nicht zu küssen und um den Hals zu fallen. Er sieht auch gar nicht mal schlecht aus.
Nur kurze Zeit später checke ich im Grand Hotel von Viareggio ein und sehe ES das erste Mal – das Meer. Wie ich es liebe! Ich kann es kaum erwarten, dorthin zu gehen und Erinnerungen an unzählige Familienurlaube in Italien steigen in mir auf. Der Strand ist jetzt, außerhalb der Touristensaison, noch etwas verwahrlost. Ich überlege kurz, ob ich zu Recherchezwecken ein kleines Bad im Meer wagen soll, doch nachdem ich meinen großen Zeh ins Wasser getaucht habe, entscheide ich mich sofort dagegen. An dieser Stelle des Romans werde ich einfach improvisieren. Anschließend schlendere ich über den Pier, wo Lydia letztendlich ihren Lorenzo treffen wird, und schaue zu, wie die Sonne langsam tiefer sinkt.
Nach Verona und Meran bin ich von Viareggio ein wenig enttäuscht. Außer einem wirklich schönen Hafen hat das Örtchen nicht allzu viel zu bieten, aber zumindest finde ich eine elegante Villa, in dem ich die Tochter von Lorenzo wohnen lassen werde. Während ich davor stehe und meine Eindrücke notiere, spielt jemand Klavier. Schön!
Abends wandere ich nur von einem runden Mond begleitet mit einem Tränengasfläschchen in der einen Hand und meiner Sportpfeife in der anderen Hand (sie ist unglaublich laut) durch ein absolut verlassenes Viareggio, um in der Trattoria Tre Marchetti etwas essen zu gehen. Später als ich wieder in meinem Zimmer im Grand Hotel bin, fühle ich mich in meinem riesigen Bett das erste Mal auf meiner Italien-Reise doch ein wenig einsam.

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