Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Geschrieben habe ich wie die meisten Schriftsteller schon immer gern. Aber wie so oft im Leben will man immer das, was man nicht bekommen kann. Und so träumte ich lange Zeit davon ein berühmter Designer zu werden, bis ein Professor der Mainzer Universität nach dem Abitur beim Anblick meiner Zeichnungen meinte: „Sie haben die Neigung, alles mit einem dichten Grauschleier zu versehen.“ Ein Bild einer anderen angehenden Künstlerin, sie hatte mit Acryl von Geld über Grün zu Blau schattiert, fand es sehr inspirierend und lobte ihren kreativen Pinselstrich. Mir war klar: Das gibt nichts!

Als ich weitere Berufsoptionen durchging, erinnerte ich mich daran, gut schreiben zu können, aber letztendlich verwarf ich ein Publizistikstudium auch. Zwar hatte mir meine Arbeit als freie Mitarbeiterin und mein Praktikum riesigen Spaß gemacht, aber zu dieser Zeit wurden Journalistin nur ganz selten fest angestellt und mussten sich als freie Mitarbeiter verdienen. Für mich als das nach Sicherheit strebende Kind zweier Beamter undenkbar. Ich beschloss, in deren Fußstapfen zu treten und Deutsch und Sport auf Lehramt zu studieren. Letzteres zugegebenermaßen nur deswegen, weil ich gehört hatte, dass es in diesem Fachbereich die besten Partys und die hübschesten Männer gäbe. – Die Gerüchte erwiesen sich als wahr, und nicht nur das Zeichnen, sondern auch das Schreiben rückte lange Zeit in den Hintergrund.

Erst nach der Geburt meines jüngsten Kindes erinnerte ich mich wieder daran. Als mein Sohn fünf Monate alt war, waren mein Mann und ich auf einer Hochzeit eingeladen. Die Braut wünschte sich, dass alle Gäste zusammen an einer Reizwortgeschichte schrieben, die u.a. das Wort „Buddelschiff“ beinhaltete. Keiner hatte Lust dazu, ich aber schrieb mit Feuereifer, und ich merkte, wie unglaublich viel Spaß es mir machte.

Kurz darauf lag ich krank im Bett und las an einem Tag „Moor des Vergessens“ von Val McDermitt. Der Roman beeindruckte mich dermaßen, dass ich am ersten Tag meiner Genesung sofort zu meinen Eltern lief und verkündete: „Ich schreibe jetzt auch ein Buch. Und das ist mein Mordopfer.“ (In diesem Augenblick lief gerade die Postbotin an unserem Haus vorbei.) Natürlich wurde ich eine ganze Zeitlang sehr belächelt. Aber ich habe es allen Zweiflern gezeigt. Und das Buch mit der ermordeten Postbotin  ist unter dem Titel „Hochzeitsküsse und Pistolen“ tatsächlich zwei Jahre später erschienen.

 

 

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